TikTok-Sucht bei Jugendlichen: Folgen für die Persönlichkeit

Wie beeinflusst TikTok Jugendliche langfristig? Erfahre mehr über Selbstwertgefühl, Konzentration, psychische Gesundheit und problematische Nutzung.

Niloofar Zarbakhshzadeh14 Min. Lesezeit

TikTok-Sucht bei Jugendlichen: Folgen für die Persönlichkeit

TikTok-Sucht bei Jugendlichen: Wie beeinflusst die intensive Nutzung langfristig die Persönlichkeit?

TikTok gehört für viele Jugendliche zum Alltag. Kurze Videos, angesagte Challenges, lustige Inhalte und persönliche Empfehlungen sorgen dafür, dass aus wenigen Minuten schnell eine Stunde oder mehr werden kann. Für manche Jugendliche ist die Plattform ein Ort der Unterhaltung, Kreativität und Gemeinschaft. Für andere wird es zunehmend schwierig, das Smartphone aus der Hand zu legen.

Doch was passiert, wenn TikTok einen immer größeren Teil des Lebens einnimmt? Kann die intensive Nutzung langfristig die Persönlichkeit verändern? Welche Auswirkungen kann sie auf Selbstbewusstsein, Aufmerksamkeit, Beziehungen und emotionale Stabilität haben?

Diese Fragen sind besonders wichtig, weil sich Jugendliche in einer entscheidenden Entwicklungsphase befinden. Sie entdecken ihre Interessen, entwickeln eigene Werte und suchen nach Anerkennung und Zugehörigkeit.

Die zentrale Frage lautet nicht nur, wie viele Stunden Jugendliche auf TikTok verbringen, sondern auch, welche Rolle die Plattform in ihrem Leben spielt und ob ihre Nutzung ihre Entwicklung, ihre Beziehungen und ihr Wohlbefinden beeinträchtigt.

1. Was bedeutet TikTok-Sucht überhaupt?

Der Begriff „TikTok-Sucht“ wird im Alltag häufig verwendet. Wissenschaftlich ist es jedoch wichtig, zwischen häufiger Nutzung und einer problematischen Nutzung zu unterscheiden.

Ein Jugendlicher, der täglich TikTok schaut, ist nicht automatisch süchtig. Entscheidend ist vielmehr, ob die Person die Nutzung noch kontrollieren kann und ob dadurch andere wichtige Lebensbereiche leiden.

Anzeichen einer problematischen Nutzung können sein:

  • Der Jugendliche möchte weniger Zeit auf TikTok verbringen, schafft es aber wiederholt nicht.
  • Er greift ständig zum Smartphone, selbst wenn gerade andere Aufgaben anstehen.
  • Er reagiert ungewöhnlich gereizt oder unruhig, wenn er nicht auf TikTok zugreifen kann.
  • Hausaufgaben, Schlaf, Hobbys oder persönliche Beziehungen werden vernachlässigt.
  • Er nutzt TikTok zunehmend, um unangenehme Gefühle zu verdrängen.
  • Die Nutzung geht trotz spürbarer negativer Folgen weiter.

Einzelne dieser Verhaltensweisen beweisen noch keine Abhängigkeit. Sie können jedoch Hinweise darauf sein, dass die Nutzung aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete 2024, dass in einer internationalen Untersuchung unter fast 280.000 jungen Menschen aus 44 Ländern und Regionen rund elf Prozent Anzeichen einer problematischen Nutzung sozialer Medien zeigten. Die Untersuchung bezog sich auf soziale Medien insgesamt und nicht ausschließlich auf TikTok.

Quelle: https://www.who.int/europe/news/item/25-09-2024-teens--screens-and-mental-health

2. Warum fällt es Jugendlichen so schwer, TikTok wegzulegen?

TikTok verbindet mehrere Eigenschaften, die dazu beitragen können, dass Nutzer länger bleiben als ursprünglich geplant.

Kurze Videos und ständige neue Reize

Nach einem Video beginnt häufig direkt das nächste. Nutzer müssen nicht lange suchen oder entscheiden, welchen Inhalt sie als Nächstes ansehen möchten.

Dadurch kann das Scrollen zur Gewohnheit werden. Ein Jugendlicher öffnet die App vielleicht nur kurz, um sich zu entspannen, und merkt erst später, wie viel Zeit vergangen ist.

Das Belohnungsgefühl

Ein lustiges Video, ein interessantes Thema, viele Likes oder eine positive Nachricht können angenehme Gefühle auslösen. Weil der nächste interessante Inhalt nicht immer vorhersehbar ist, kann das Weiterscrollen besonders reizvoll sein.

Das bedeutet nicht, dass TikTok automatisch eine Abhängigkeit verursacht. Es erklärt jedoch, warum es manchen Menschen schwerfällt, die Nutzung rechtzeitig zu beenden.

Anerkennung und soziale Zugehörigkeit

In der Jugend gewinnt die Meinung Gleichaltriger häufig an Bedeutung. Likes, Kommentare, Followerzahlen und die Teilnahme an Trends können deshalb emotional wichtig werden.

Wenn ein Jugendlicher seinen Selbstwert zunehmend davon abhängig macht, wie andere auf seine Videos reagieren, kann die Plattform einen stärkeren Einfluss auf sein Wohlbefinden bekommen.

3. Verändert TikTok langfristig die Persönlichkeit?

Die Persönlichkeit entwickelt sich während der Jugend weiter. Erfahrungen mit Freunden, Familie, Schule, gesellschaftlichen Erwartungen und digitalen Medien können diese Entwicklung begleiten und beeinflussen.

Es wäre allerdings wissenschaftlich nicht korrekt, zu behaupten, dass TikTok zwangsläufig die Persönlichkeit eines Jugendlichen verändert. Die bisherige Forschung zeigt mögliche Risiken und Zusammenhänge, aber noch keine eindeutigen langfristigen Ursache-Wirkungs-Beziehungen für alle Jugendlichen.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 untersuchte 20 Studien mit insgesamt 17.336 Teilnehmenden zum Zusammenhang zwischen TikTok und der psychischen Gesundheit Jugendlicher. Die Ergebnisse weisen unter anderem auf mögliche Zusammenhänge mit problematischer Nutzung, geringerem Selbstwertgefühl und psychischen Belastungen hin. Die Forschenden betonen jedoch auch die Unterschiede zwischen den Studien und die Grenzen der vorhandenen Belege.

Quelle: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12122552/

Um mögliche langfristige Auswirkungen zu verstehen, lohnt es sich, mehrere Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung genauer zu betrachten.

4. Selbstbewusstsein: Wenn Likes wichtiger werden als die eigene Meinung

Jugendliche befinden sich in einer Phase, in der sie herausfinden, wer sie sind und was sie besonders macht. Soziale Netzwerke können dabei sowohl unterstützend als auch belastend wirken.

Einerseits können Jugendliche Gleichgesinnte finden, eigene Talente präsentieren und positive Rückmeldungen erhalten. Andererseits begegnen sie täglich Bildern scheinbar perfekter Körper, erfolgreicher Menschen und aufregender Lebensstile.

Wenn sie diese Inhalte ständig mit ihrem eigenen Alltag vergleichen, können sie den Eindruck bekommen, nicht attraktiv, interessant oder erfolgreich genug zu sein.

Einige Jugendliche beginnen möglicherweise, ihre Kleidung, ihr Aussehen oder ihre Interessen stärker danach auszurichten, was auf der Plattform beliebt ist.

Langfristig kann es dadurch schwieriger werden, zwischen eigenen Wünschen und äußeren Erwartungen zu unterscheiden.

Mögliche Anzeichen sind:

  • Häufiges Vergleichen mit Influencern oder anderen Jugendlichen.
  • Starke Enttäuschung, wenn ein eigenes Video wenig Aufmerksamkeit erhält.
  • Übermäßige Sorge um das eigene Aussehen.
  • Das Gefühl, nur dann wertvoll zu sein, wenn andere einen bestätigen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Jugendliche, der sich für Trends interessiert, ein schwaches Selbstbewusstsein entwickelt. Entscheidend ist, ob die digitale Anerkennung zunehmend den eigenen Selbstwert bestimmt.

5. Aufmerksamkeit und Konzentration: Gewöhnt sich das Gehirn an schnelle Reize?

TikTok bietet überwiegend kurze Videos, schnelle Szenenwechsel und abwechslungsreiche Inhalte. Wer lange Zeit damit verbringt, kann sich daran gewöhnen, Informationen in kurzen Abschnitten aufzunehmen.

Manche Jugendliche berichten, dass ihnen längere Texte, ruhige Lernphasen oder Aufgaben ohne unmittelbare Unterhaltung schwererfallen.

Daraus folgt allerdings nicht, dass TikTok nachweislich das Gehirn dauerhaft schädigt oder dass jeder intensive Nutzer seine Konzentrationsfähigkeit verliert. Die Forschung zu sozialen Medien und Aufmerksamkeit ist komplex, und es lässt sich nicht immer unterscheiden, ob die Mediennutzung Schwierigkeiten verursacht oder ob Jugendliche mit bereits bestehenden Konzentrationsproblemen besonders häufig zu solchen Inhalten greifen.

Problematisch kann es werden, wenn die Nutzung regelmäßig:

  • das konzentrierte Lernen unterbricht,
  • zu häufigem Wechsel zwischen Aufgaben führt,
  • Hausaufgaben unnötig in die Länge zieht,
  • längere Aktivitäten ohne digitale Reize zunehmend unattraktiv erscheinen lässt.

Eine hilfreiche Maßnahme ist, Lernzeiten ohne Benachrichtigungen und ohne geöffnetes TikTok einzuplanen. So erhalten Jugendliche die Möglichkeit, ihre Aufmerksamkeit bewusst auf eine Aufgabe zu richten.

6. Emotionale Stabilität: Wird Langeweile schwerer auszuhalten?

Langeweile, Enttäuschung, Unsicherheit und Frustration gehören zum Leben. Jugendliche lernen mit der Zeit, solche Gefühle zu verstehen und auf unterschiedliche Weise mit ihnen umzugehen.

Wenn TikTok regelmäßig eingesetzt wird, um jede unangenehme Emotion sofort zu verdrängen, kann sich eine ungünstige Gewohnheit entwickeln: Sobald Langeweile oder Stress auftaucht, wird automatisch das Smartphone geöffnet.

Die Plattform ist nicht grundsätzlich ein ungeeigneter Weg zur Entspannung. Musik, Humor und unterstützende Inhalte können durchaus guttun.

Schwierigkeiten entstehen eher dann, wenn TikTok zur einzigen oder wichtigsten Strategie wird, um mit Gefühlen umzugehen.

Dann bleibt möglicherweise weniger Raum, andere Fähigkeiten zu entwickeln: über Probleme zu sprechen, Konflikte zu lösen, sich auszuruhen, Sport zu treiben oder unangenehme Situationen auszuhalten, ohne sofort Ablenkung zu suchen.

Das Ziel sollte deshalb nicht sein, jede digitale Unterhaltung zu verbieten. Jugendliche sollten vielmehr verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, mit ihren Gefühlen umzugehen.

7. Beziehungen: Werden Likes wichtiger als echte Freundschaften?

Soziale Medien können Freundschaften stärken. Jugendliche können miteinander kommunizieren, gemeinsame Interessen entdecken und auch dann in Kontakt bleiben, wenn sie sich nicht persönlich treffen.

Problematisch wird die Nutzung, wenn digitale Interaktionen zunehmend persönliche Begegnungen ersetzen oder Beziehungen unter ständiger Ablenkung leiden.

Mögliche Schwierigkeiten sind:

  • Gespräche mit Familie oder Freunden werden häufig durch das Smartphone unterbrochen.
  • Jugendliche fühlen sich ausgeschlossen, wenn andere gemeinsam online aktiv sind.
  • Die Zahl der Follower wird wichtiger als die Qualität persönlicher Beziehungen.
  • Konflikte aus sozialen Netzwerken werden in den Schulalltag getragen.
  • Jugendliche vergleichen ihre sozialen Erlebnisse mit den scheinbar perfekten Erlebnissen anderer.

Dabei ist wichtig: Viele Online-Kontakte sind echte soziale Beziehungen. Entscheidend ist nicht, ob eine Freundschaft digital oder persönlich beginnt, sondern ob sie Unterstützung, Vertrauen und gegenseitigen Respekt bietet.

8. Algorithmen und Identitätsentwicklung: Wer entscheidet, was Jugendliche interessant finden?

TikTok empfiehlt Inhalte anhand verschiedener Signale, die mit dem Nutzungsverhalten zusammenhängen. Dadurch kann sich der persönliche Videofeed mit der Zeit stark auf bestimmte Themen konzentrieren.

Ein Jugendlicher, der sich für Sport interessiert, sieht vielleicht immer mehr Fitnessvideos. Wer sich mit Mode beschäftigt, bekommt zunehmend Inhalte zu Kleidung, Aussehen und Trends angezeigt.

Das kann nützlich sein, weil Jugendliche neue Interessen entdecken. Es kann aber auch den Eindruck erzeugen, dass bestimmte Lebensstile, Körperbilder oder Meinungen überall verbreitet und besonders erstrebenswert sind.

Während der Identitätsentwicklung ist es deshalb hilfreich, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und Inhalte kritisch zu hinterfragen.

Jugendliche sollten sich fragen:

  • Interessiert mich dieses Thema wirklich oder sehe ich es nur besonders häufig?
  • Vergleiche ich mein normales Leben mit ausgewählten Momenten anderer Menschen?
  • Fühle ich mich nach diesen Videos motiviert oder eher unzufrieden?
  • Übernehme ich eine Meinung, weil ich sie selbst überzeugend finde, oder weil sie online sehr beliebt ist?

Medienkompetenz bedeutet nicht, allen Inhalten zu misstrauen. Sie bedeutet, bewusst zu entscheiden, welchen Einfluss diese Inhalte auf das eigene Denken haben sollen.

9. Welche psychischen Folgen sind bei problematischer Nutzung möglich?

Die Forschung untersucht Zusammenhänge zwischen problematischer Social-Media-Nutzung und verschiedenen Aspekten der psychischen Gesundheit.

Dazu gehören unter anderem:

Angst und depressive Symptome: Manche Studien finden Zusammenhänge zwischen problematischer TikTok-Nutzung und stärkerer psychischer Belastung. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass TikTok diese Symptome verursacht.

Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper: Stark auf Aussehen ausgerichtete Inhalte können sozialen Vergleich und Unzufriedenheit verstärken, insbesondere wenn Jugendliche unrealistische Schönheitsideale als Maßstab verwenden.

Schlafprobleme: Lange Bildschirmzeiten am Abend, Benachrichtigungen und das Aufschieben der Schlafenszeit können die Schlafroutine beeinträchtigen.

Cybermobbing und sozialer Druck: Negative Kommentare, öffentliche Bloßstellung oder der Druck, ständig erreichbar zu sein, können zusätzlichen Stress verursachen.

Problematische Bewältigungsstrategien: Wenn Jugendliche fast ausschließlich digitale Unterhaltung nutzen, um Stress oder Einsamkeit zu vermeiden, können andere hilfreiche Bewältigungsformen zu kurz kommen.

Die American Psychological Association empfiehlt deshalb unter anderem, auf problematische Nutzungsmuster zu achten, schädliche Inhalte zu begrenzen und sicherzustellen, dass soziale Medien Schlaf, körperliche Aktivität und andere wichtige Entwicklungsbereiche nicht verdrängen.

Quelle: https://www.apa.org/topics/social-media-internet/health-advisory-adolescent-social-media-use

10. Was können Eltern tun, ohne einen ständigen Konflikt auszulösen?

Ein vollständiges Verbot ist nicht in jeder Familie die beste Lösung. Es kann sinnvoll sein, klare Grenzen zu setzen, gleichzeitig aber die Perspektive des Jugendlichen ernst zu nehmen.

Gemeinsam über die Nutzung sprechen

Frage nicht nur, wie viele Stunden dein Kind auf TikTok verbringt. Frage auch, welche Inhalte es interessant findet, wie es sich danach fühlt und ob es online unangenehme Erfahrungen gemacht hat.

Ein offenes Gespräch kann Probleme sichtbar machen, die durch reine Kontrolle unentdeckt bleiben würden.

Klare und nachvollziehbare Regeln vereinbaren

Beispielsweise können Familien vereinbaren, dass während der Mahlzeiten keine Smartphones verwendet werden und dass Geräte nachts außerhalb des Schlafzimmers bleiben.

Wichtig ist, dass die Regeln zum Alter und zur Lebenssituation des Jugendlichen passen.

Andere Aktivitäten fördern

Sport, Musik, kreative Projekte, persönliche Treffen und ausreichend Schlaf bieten Abwechslung und können helfen, den Alltag ausgewogener zu gestalten.

Es geht nicht darum, jede freie Minute zu verplanen. Jugendliche brauchen auch Zeit zum Ausruhen und für selbst gewählte Aktivitäten.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Wenn Erwachsene bei jedem Gespräch auf ihr eigenes Smartphone schauen, fällt es schwer, Jugendlichen digitale Grenzen glaubwürdig zu vermitteln.

Gemeinsame bildschirmfreie Zeiten können deshalb für die ganze Familie hilfreich sein.

Warnsignale ernst nehmen

Wenn ein Jugendlicher über längere Zeit schlecht schläft, sich stark zurückzieht, seine schulischen Leistungen deutlich nachlassen oder ausgeprägte Angst- und Depressionssymptome auftreten, sollte die Situation genauer betrachtet werden.

Bei anhaltenden oder starken Belastungen können Kinder- und Jugendärzte, psychologische Fachkräfte oder schulische Beratungsstellen unterstützen.

11. Wie können Jugendliche selbst einen gesünderen Umgang mit TikTok entwickeln?

Ein bewusster Umgang mit TikTok muss nicht bedeuten, vollständig auf die Plattform zu verzichten.

Folgende Schritte können helfen:

  1. Die tatsächliche Nutzungszeit prüfen: Schaue in den Bildschirmzeit-Einstellungen nach, wie viel Zeit du auf TikTok verbringst.
  2. Ein persönliches Zeitlimit festlegen: Beginne mit einer realistischen Grenze, die du im Alltag einhalten kannst.
  3. Benachrichtigungen reduzieren: So wirst du weniger häufig aus anderen Tätigkeiten herausgerissen.
  4. Bewusst auswählen, wem du folgst: Behalte Inhalte, die dich interessieren oder inspirieren, und reduziere solche, die dich regelmäßig unter Druck setzen.
  5. Das Smartphone beim Lernen weglegen: Lege es außerhalb deiner unmittelbaren Reichweite, wenn du dich konzentrieren möchtest.
  6. Vor dem Öffnen eine Absicht festlegen: Frage dich, ob du etwas Bestimmtes sehen möchtest oder die App nur aus Gewohnheit öffnest.
  7. Auf deine Stimmung achten: Beobachte, wie du dich vor und nach der Nutzung fühlst.

Du kannst außerdem ausprobieren, eine Woche lang bestimmte Gewohnheiten zu verändern. Notiere beispielsweise, ob du besser schläfst, dich leichter konzentrieren kannst oder mehr Zeit für Freunde und Hobbys hast.

Das ist kein wissenschaftlicher Selbsttest und keine Diagnose. Es kann dir aber helfen, deine eigenen Gewohnheiten bewusster wahrzunehmen.

12. Was wissen wir über die langfristigen Auswirkungen wirklich?

Die langfristige Wirkung von TikTok auf die Persönlichkeitsentwicklung ist noch nicht abschließend geklärt.

Die vorhandene Forschung deutet darauf hin, dass problematische Nutzung und bestimmte Arten von Inhalten mit psychischen Belastungen zusammenhängen können. Gleichzeitig können soziale Medien Kreativität, Zugehörigkeit und soziale Unterstützung fördern.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssen:

  • Viele Studien untersuchen verschiedene Plattformen gemeinsam, statt TikTok isoliert zu betrachten.
  • Häufig handelt es sich um Beobachtungsstudien, die Zusammenhänge zeigen, aber Ursachen nicht sicher beweisen.
  • Jugendliche unterscheiden sich in ihren persönlichen Voraussetzungen, ihrem familiären Umfeld und ihren Erfahrungen.
  • Sowohl die Nutzung als auch die psychische Gesundheit können sich gegenseitig beeinflussen.

Ein Jugendlicher, der sich einsam oder belastet fühlt, könnte beispielsweise häufiger TikTok nutzen, um sich abzulenken. Gleichzeitig könnten bestimmte Inhalte oder belastende Online-Erfahrungen seine Stimmung verschlechtern.

Deshalb wäre es zu einfach, jede psychische Schwierigkeit auf TikTok zurückzuführen. Sinnvoller ist es, die gesamte Lebenssituation eines Jugendlichen zu betrachten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann TikTok die Persönlichkeit eines Jugendlichen dauerhaft verändern?

Es gibt bisher keine ausreichenden Belege dafür, dass TikTok bei allen Jugendlichen eine dauerhafte Persönlichkeitsveränderung verursacht. Problematische Nutzung und bestimmte Online-Erfahrungen können jedoch mit Selbstwertproblemen, psychischer Belastung und Veränderungen im Alltag zusammenhängen.

Ab wann ist TikTok-Nutzung problematisch?

Nicht allein die tägliche Nutzungsdauer entscheidet darüber. Wichtig ist, ob Jugendliche ihre Nutzung kontrollieren können und ob Schlaf, Schule, Freundschaften, Hobbys oder psychisches Wohlbefinden darunter leiden.

Macht TikTok Jugendliche unkonzentriert?

Manche Jugendliche erleben Schwierigkeiten mit konzentriertem Lernen, wenn die Smartphone-Nutzung sie häufig unterbricht. Die Forschung erlaubt jedoch keine pauschale Aussage, dass TikTok bei jedem Nutzer dauerhafte Konzentrationsprobleme verursacht.

Kann TikTok Depressionen oder Angst auslösen?

Studien finden Zusammenhänge zwischen problematischer TikTok- beziehungsweise Social-Media-Nutzung und psychischen Symptomen. Ob TikTok diese Symptome verursacht, ob bestehende Belastungen die Nutzung beeinflussen oder ob beide Faktoren zusammenwirken, ist nicht in allen Fällen geklärt.

Sollten Eltern TikTok verbieten?

Das hängt vom Alter, der Reife, der konkreten Nutzung und möglichen Problemen ab. Klare Regeln, offene Gespräche und altersgerechte Begleitung können helfen. Wenn die Nutzung deutliche negative Folgen hat, können strengere Grenzen sinnvoll sein.

Wie können Jugendliche ihre Nutzung reduzieren?

Hilfreich sind feste Nutzungszeiten, weniger Benachrichtigungen, bildschirmfreie Lern- und Schlafzeiten sowie alternative Aktivitäten. Besonders wichtig ist, dass Jugendliche verstehen, warum sie ihre Gewohnheiten verändern möchten.

Fazit: Nicht TikTok allein entscheidet, sondern der Umgang damit

TikTok kann unterhalten, informieren und Menschen miteinander verbinden. Gleichzeitig kann eine problematische Nutzung den Alltag beeinträchtigen und mit Schwierigkeiten beim Selbstwertgefühl, bei der Konzentration, beim Schlaf und bei der emotionalen Gesundheit zusammenhängen.

Die Jugend ist eine wichtige Phase, in der sich Identität, Werte und soziale Fähigkeiten weiterentwickeln. Deshalb lohnt es sich, digitale Gewohnheiten frühzeitig bewusst zu gestalten.

Es geht nicht darum, Jugendlichen jede Nutzung sozialer Medien zu verbieten oder TikTok grundsätzlich als schädlich darzustellen. Entscheidend ist, dass die Plattform nicht zum Mittelpunkt des gesamten Lebens wird.

Ein gesundes digitales Leben bedeutet, TikTok nutzen zu können, ohne von TikTok kontrolliert zu werden. Jugendliche brauchen Raum für digitale Erfahrungen, aber ebenso für persönliche Beziehungen, Bewegung, Schlaf, Kreativität und die Entwicklung einer eigenen Identität.

Denn Persönlichkeit entsteht nicht allein auf einem Bildschirm. Sie entwickelt sich durch vielfältige Erfahrungen, Entscheidungen, Beziehungen und die Möglichkeit, die eigene Welt selbst zu entdecken.


Quellen und wissenschaftliche Grundlagen

  1. Conte et al. (2025): Scrolling through adolescence: a systematic review of the impact of TikTok on adolescent mental health. European Child & Adolescent Psychiatry. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12122552/

  2. World Health Organization (WHO), Regional Office for Europe (2024): Teens, screens and mental health. https://www.who.int/europe/news/item/25-09-2024-teens--screens-and-mental-health

  3. American Psychological Association (APA, 2023): Health Advisory on Social Media Use in Adolescence. https://www.apa.org/topics/social-media-internet/health-advisory-adolescent-social-media-use

  4. National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine: Social Media and Adolescent Health. https://www.nationalacademies.org/read/27396

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