Ein bisschen Hausstaub, ein paar Pollen, bestimmte Lebensmittel, Tierhaare und plötzlich reagiert der Körper auf scheinbar alles. Für manche Menschen wird der Alltag zu einem ständigen Experiment: Was darf ich essen? Welche Umgebung vertrage ich? Und warum kommen immer neue Allergien dazu?
Doch warum reagieren manche Menschen auf so viele unterschiedliche Stoffe? Ist ihr Immunsystem besonders empfindlich? Gibt es eine gemeinsame Ursache? Und kann die moderne Medizin tatsächlich etwas dagegen tun?
Die Antwort ist komplexer als die Vorstellung eines Immunsystems, das einfach „zu stark“ arbeitet.
1. Warum manche Menschen auf so viele unterschiedliche Stoffe reagieren
Eine Allergie entsteht, wenn das Immunsystem bestimmte eigentlich harmlose Stoffe als gefährlich einstuft und eine gezielte Abwehrreaktion entwickelt.
Diese Stoffe nennt man Allergene.
Dazu gehören beispielsweise:
- Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern
- Hausstaubmilben
- Tierallergene, etwa von Katzen und Hunden
- Schimmelpilze
- bestimmte Lebensmittel
- Insektengifte
- einzelne Medikamente
- Kontaktstoffe wie Nickel oder bestimmte Duftstoffe
Bei einer klassischen IgE-vermittelten Allergie produziert das Immunsystem spezifische IgE-Antikörper gegen ein Allergen.
Diese Antikörper können sich an Mastzellen binden. Bei erneutem Kontakt mit dem entsprechenden Allergen werden Botenstoffe wie Histamin freigesetzt.
Die Folge können Niesen, Juckreiz, Hautreaktionen, Schwellungen, Atembeschwerden oder Magen-Darm-Symptome sein.
Entscheidend ist: Nicht jeder Mensch mit einer Allergie reagiert auf dieselben Stoffe. Und nicht jede positive Allergieuntersuchung bedeutet, dass der betreffende Stoff tatsächlich Beschwerden verursacht.
Die Entstehung von Allergien hängt von mehreren Faktoren ab, die sich gegenseitig beeinflussen.
Dazu gehören die genetische Veranlagung, die Entwicklung des Immunsystems, die Umwelt, die Schleimhautbarrieren und die individuelle Exposition gegenüber Allergenen.
Die genauen Ursachen, warum ein Mensch gegen viele Stoffe sensibilisiert wird, sind bis heute nicht vollständig geklärt.
2. Polysensibilisierung: Wenn der Allergietest viele Treffer zeigt
In der Medizin gibt es einen wichtigen Begriff: Polysensibilisierung.
Damit ist gemeint, dass ein Mensch gegen mehrere verschiedene Allergene sensibilisiert ist.
Ein Allergietest kann beispielsweise positive Reaktionen auf Birkenpollen, Gräserpollen, Hausstaubmilben und Katzenallergene zeigen.
Doch hier beginnt eine wichtige Unterscheidung.
Polysensibilisierung bedeutet nicht automatisch Polyallergie.
Bei einer Polysensibilisierung sind mehrere Allergietests positiv.
Bei einer Polyallergie bestehen dagegen tatsächlich allergische Beschwerden durch mehrere unterschiedliche Allergene.
Ein Beispiel:
Eine Person hat positive Tests auf Birkenpollen, Gräserpollen und Katzenallergene.
Im Frühjahr leidet sie unter starkem allergischem Schnupfen. Wenn sie jedoch eine Katze besucht, treten keine Beschwerden auf.
In diesem Fall könnte die Person gegen mehrere Stoffe sensibilisiert sein, während nur ein Teil davon tatsächlich eine klinisch relevante Allergie verursacht.
Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Behandlung.
Denn wenn alle positiven Testergebnisse automatisch als echte Allergien interpretiert werden, kann das zu unnötigen Einschränkungen, zusätzlichen Untersuchungen und einer falschen Therapieplanung führen.
In einer wissenschaftlichen Veröffentlichung zur Behandlung von Patienten mit mehreren Allergien wird genau diese Unterscheidung hervorgehoben. Die Therapie soll sich an den Allergenen orientieren, die tatsächlich Beschwerden verursachen, und nicht allein an der Anzahl positiver Tests.
Quelle: https://link.springer.com/article/10.1186/s13223-015-0109-6
3. Warum entwickelt ein Mensch immer mehr Allergien?
Es gibt nicht nur einen Grund. Bei Menschen mit zahlreichen Allergien können mehrere biologische und umweltbedingte Faktoren zusammenkommen.
Genetische Veranlagung
Allergische Erkrankungen treten in manchen Familien gehäuft auf.
Wenn Eltern oder Geschwister an allergischem Asthma, Neurodermitis oder allergischem Schnupfen leiden, kann das Risiko für allergische Erkrankungen bei anderen Familienmitgliedern erhöht sein.
Dabei wird nicht unbedingt eine bestimmte Allergie vererbt.
Vielmehr können genetische Faktoren die Wahrscheinlichkeit beeinflussen, dass das Immunsystem auf bestimmte Umweltstoffe allergisch reagiert.
Die genetische Veranlagung ist jedoch keine Garantie dafür, dass jemand Allergien entwickelt.
Die Entwicklung der Haut- und Schleimhautbarrieren
Haut und Schleimhäute bilden wichtige Schutzbarrieren zwischen dem Körper und seiner Umwelt.
Wenn diese Barrieren beeinträchtigt sind, können bestimmte Stoffe leichter mit dem Immunsystem in Kontakt kommen.
Das ist beispielsweise bei Neurodermitis relevant.
Eine gestörte Hautbarriere kann dazu beitragen, dass Allergene leichter in die Haut eindringen und allergische Sensibilisierungen begünstigen.
Auch die Schleimhäute der Atemwege spielen eine wichtige Rolle.
Sie müssen gleichzeitig schützen, befeuchten und mit einer Vielzahl von Umweltstoffen umgehen.
Umwelt und Lebensstil
Die Umwelt kann beeinflussen, wie häufig ein Mensch mit bestimmten Allergenen in Kontakt kommt.
Dazu gehören:
- Pollenbelastung
- Luftverschmutzung
- Tabakrauch
- berufliche Exposition gegenüber Allergenen
- Wohnbedingungen
- bestimmte Reizstoffe
Luftverschmutzung kann beispielsweise die Atemwege reizen und allergische Beschwerden verstärken.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Umweltfaktor automatisch eine neue Allergie verursacht.
Es ist wichtig, zwischen einer allergischen Reaktion und einer nicht allergischen Reizung zu unterscheiden.
Kreuzreaktionen: Wenn ein Allergen mehrere Beschwerden auslöst
Ein weiterer wichtiger Mechanismus ist die Kreuzreaktivität.
Dabei erkennt das Immunsystem ähnliche Eiweißstrukturen in unterschiedlichen Stoffen.
Ein bekanntes Beispiel ist die Verbindung zwischen Birkenpollen und bestimmten Lebensmitteln.
Menschen mit einer Birkenpollenallergie können beispielsweise auf rohe Äpfel, Haselnüsse oder andere pflanzliche Lebensmittel reagieren.
Der Grund liegt darin, dass bestimmte Proteine in diesen Lebensmitteln den Birkenpollenproteinen strukturell ähneln.
Das Immunsystem kann diese ähnlichen Strukturen miteinander verwechseln.
Dadurch entsteht der Eindruck, dass eine Person plötzlich zahlreiche neue Allergien entwickelt.
Tatsächlich können mehrere Beschwerden auf eine gemeinsame Sensibilisierung zurückzuführen sein.
Kreuzreaktionen sind allerdings nicht bei jedem Patienten gleich ausgeprägt.
4. Kann das Immunsystem irgendwann gegen fast alles reagieren?
Bei manchen Menschen scheint die Liste der Allergien tatsächlich immer länger zu werden.
Dabei sollte man jedoch mehrere unterschiedliche Situationen auseinanderhalten.
Erstens: Eine Person entwickelt tatsächlich neue allergische Sensibilisierungen.
Zweitens: Bereits bestehende Allergien werden durch zusätzliche Umweltbelastungen stärker wahrgenommen.
Drittens: Ein Allergietest zeigt zahlreiche positive Ergebnisse, obwohl nicht alle Stoffe Beschwerden verursachen.
Viertens: Nicht jede Reaktion ist eine klassische Allergie.
Beispielsweise können Duftstoffe, Reinigungsmittel, kalte Luft oder Rauch die Schleimhäute reizen, ohne dass eine IgE-vermittelte Allergie vorliegt.
Auch chronische Hauterkrankungen, bestimmte Magen-Darm-Erkrankungen und andere immunologische Prozesse können Beschwerden verursachen, die zunächst wie eine Allergie erscheinen.
Deshalb ist eine genaue Diagnose wichtiger als eine möglichst lange Liste von Allergenen.
5. Wie findet die moderne Medizin heraus, welche Allergien wirklich relevant sind?
Die wichtigste Grundlage ist eine sorgfältige allergologische Diagnostik.
Sie besteht nicht nur aus einem Bluttest oder einem Hauttest.
Die Krankengeschichte
Zunächst wird untersucht, wann die Beschwerden auftreten.
Welche Symptome bestehen?
Wie lange dauern sie?
Gibt es einen Zusammenhang mit bestimmten Jahreszeiten, Lebensmitteln, Tieren, Medikamenten oder Arbeitsbedingungen?
Diese Informationen helfen dabei, mögliche Allergene einzugrenzen.
Hauttests
Beim Pricktest werden kleine Mengen ausgewählter Allergene auf die Haut aufgetragen.
Anschließend wird untersucht, ob eine entsprechende Hautreaktion entsteht.
Der Test kann Hinweise auf eine Sensibilisierung liefern.
Er zeigt jedoch nicht allein, ob ein bestimmtes Allergen tatsächlich Beschwerden verursacht.
Spezifisches IgE im Blut
Eine weitere Möglichkeit ist die Untersuchung spezifischer IgE-Antikörper.
Dabei wird geprüft, ob das Immunsystem Antikörper gegen bestimmte Allergene gebildet hat.
Auch hier gilt:
Ein positiver Wert bedeutet zunächst eine Sensibilisierung.
Die tatsächliche Bedeutung muss im Zusammenhang mit den Symptomen beurteilt werden.
Molekulare Allergiediagnostik
Bei komplexen Fällen kann die molekulare Allergiediagnostik hilfreich sein.
Dabei werden nicht nur ganze Allergenextrakte untersucht, sondern einzelne allergene Proteine.
Diese Untersuchung kann beispielsweise dabei helfen, echte Sensibilisierungen von bestimmten Kreuzreaktionen zu unterscheiden.
Sie kann außerdem wichtige Informationen für die Auswahl einer geeigneten Immuntherapie liefern.
Allerdings ist sie nicht bei jedem Patienten notwendig.
Die Diagnostik sollte gezielt erfolgen und sich an der individuellen Krankengeschichte orientieren.
6. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es heute?
Die moderne Allergologie bietet verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.
Welche Therapie geeignet ist, hängt davon ab, welche Allergien tatsächlich vorliegen, welche Organe betroffen sind und wie schwer die Beschwerden sind.
Antihistaminika
Antihistaminika blockieren die Wirkung von Histamin.
Sie können beispielsweise bei allergischem Schnupfen, Juckreiz und bestimmten Hautreaktionen helfen.
Sie behandeln jedoch nicht die Ursache der Allergie.
Bei vielen Patienten sind sie ein Bestandteil der symptomatischen Behandlung.
Nasensprays und inhalative Medikamente
Bei allergischem Schnupfen können entzündungshemmende Nasensprays eingesetzt werden.
Bei allergischem Asthma kommen je nach Erkrankung inhalative Medikamente zum Einsatz.
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Beschwerden und der jeweiligen Diagnose.
Wichtig ist, dass Asthma und andere Atemwegserkrankungen ärztlich kontrolliert werden.
Allergenvermeidung
Wenn ein klinisch relevantes Allergen bekannt ist, kann eine gezielte Reduktion der Exposition sinnvoll sein.
Bei Hausstaubmilbenallergie können beispielsweise bestimmte Maßnahmen im Schlafzimmer helfen.
Bei einer Nahrungsmittelallergie ist eine individuelle Beratung wichtig, damit unnötige Einschränkungen vermieden werden.
Eine vollständige Vermeidung aller möglichen Allergene ist jedoch weder realistisch noch grundsätzlich notwendig.
7. Allergen-Immuntherapie: Kann man das Immunsystem neu trainieren?
Eine der wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten bei bestimmten allergischen Erkrankungen ist die Allergen-Immuntherapie.
Sie wird auch als spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung bezeichnet.
Dabei wird das Immunsystem über einen längeren Zeitraum kontrolliert mit einem ausgewählten Allergen konfrontiert.
Ziel ist es, die allergische Reaktion zu reduzieren und eine bessere immunologische Toleranz zu entwickeln.
Die Behandlung kann beispielsweise bei bestimmten Pollenallergien, Hausstaubmilbenallergien und Insektengiftallergien eingesetzt werden.
Es gibt zwei wichtige Formen:
SCIT – Subkutane Immuntherapie
Das Allergen wird in regelmäßigen Abständen unter die Haut injiziert.
SLIT – Sublinguale Immuntherapie
Das Allergen wird unter die Zunge gegeben, beispielsweise in Form von Tropfen oder Tabletten.
Die Auswahl hängt von der jeweiligen Allergie, dem verfügbaren Präparat, dem Alter und den individuellen medizinischen Voraussetzungen ab.
Die Behandlung dauert normalerweise mehrere Jahre.
Bei geeigneten Patienten kann sie die allergischen Beschwerden langfristig reduzieren.
Allerdings ist sie nicht für jede Allergie geeignet.
Und sie behandelt nicht automatisch sämtliche Allergien eines Menschen.
Bei Patienten mit vielen positiven Allergietests muss deshalb sorgfältig entschieden werden, welche Allergene tatsächlich behandelt werden sollen.
Die klinische Leitlinie zur Immuntherapie bei inhalativen Allergien aus dem Jahr 2024 betont, dass die Auswahl auf klinisch relevante Allergene begrenzt werden soll. Auch Patienten mit mehreren Sensibilisierungen können unter bestimmten Voraussetzungen mit einer begrenzten Zahl von Allergenen behandelt werden.
Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38408152/
8. Biologika: Wenn gezielte Medikamente in das Immunsystem eingreifen
In den vergangenen Jahren haben Biologika die Behandlung bestimmter schwerer allergischer und immunologischer Erkrankungen erweitert.
Diese Medikamente greifen gezielt in bestimmte Signalwege des Immunsystems ein.
Sie können beispielsweise bei ausgewählten Patienten mit schwerem allergischem Asthma, chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen oder anderen spezialisierten Erkrankungen eingesetzt werden.
Ein bekanntes Beispiel ist Omalizumab.
Es bindet an IgE und kann dadurch bestimmte allergische Prozesse beeinflussen.
Weitere Biologika richten sich gegen unterschiedliche Entzündungswege, beispielsweise gegen IL-4- und IL-13-Signalwege oder gegen IL-5.
Die Auswahl hängt von der jeweiligen Erkrankung und den medizinischen Kriterien ab.
Biologika sind keine universelle Therapie gegen sämtliche Allergien.
Sie werden insbesondere dann erwogen, wenn bestimmte Erkrankungen schwer ausgeprägt sind und andere Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend wirken.
Was ist mit mehreren Lebensmittelallergien?
Auch bei bestimmten IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien gibt es inzwischen neue therapeutische Ansätze.
Die europäische Fachgesellschaft EAACI veröffentlichte 2024 aktualisierte Empfehlungen zur Behandlung von IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien.
Dabei werden unter anderem Omalizumab und bestimmte Formen der oralen Immuntherapie berücksichtigt.
Diese Behandlungen können bei ausgewählten Patienten helfen, die Reaktionsschwelle gegenüber bestimmten Lebensmitteln zu erhöhen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Patienten anschließend alle allergischen Lebensmittel bedenkenlos essen können.
Die Behandlung muss individuell geplant und ärztlich überwacht werden.
9. Kann man 20 Allergien gleichzeitig behandeln?
Hier liegt eine der wichtigsten Fragen für Menschen mit zahlreichen Allergien.
Die Antwort lautet:
Man behandelt nicht automatisch 20 Allergien mit 20 verschiedenen Therapien.
Zunächst muss festgestellt werden, welche Allergene tatsächlich Beschwerden verursachen.
Wenn beispielsweise mehrere positive Tests auf eine gemeinsame Kreuzreaktion zurückzuführen sind, kann eine gezielte Behandlung der zugrunde liegenden Sensibilisierung sinnvoller sein als der Versuch, jedes positive Ergebnis einzeln zu behandeln.
Bei Patienten mit mehreren relevanten inhalativen Allergien kann eine Immuntherapie mit einem oder mehreren ausgewählten Allergenen infrage kommen.
Die Entscheidung hängt von der Krankengeschichte, der Stärke der Beschwerden, der diagnostischen Sicherheit und den verfügbaren Präparaten ab.
Bei schweren Erkrankungen können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden, die bestimmte Entzündungsmechanismen gezielt beeinflussen.
Die moderne Allergologie arbeitet deshalb zunehmend mit einer individualisierten Behandlung.
Nicht die Anzahl der positiven Tests entscheidet über die Therapie.
Entscheidend ist, welche Allergene tatsächlich krankheitsrelevant sind und welche Behandlung für den jeweiligen Patienten sinnvoll und sicher ist.
10. Gibt es heute eine Heilung für Menschen mit zahlreichen Allergien?
Eine pauschale Heilung für sämtliche Allergien gibt es derzeit nicht.
Allerdings können bestimmte Behandlungen den Verlauf allergischer Erkrankungen langfristig beeinflussen.
Die Allergen-Immuntherapie kann bei geeigneten Patienten über die reine Symptomkontrolle hinauswirken.
Biologika können bei bestimmten schweren Erkrankungen eine gezielte Kontrolle der Entzündung ermöglichen.
Auch eine genaue Diagnose und die Vermeidung unnötiger Allergenkontakte können die Lebensqualität verbessern.
Die Forschung entwickelt sich weiter.
Doch es wäre wissenschaftlich nicht korrekt, zu versprechen, dass eine bestimmte Therapie sämtliche Allergien dauerhaft beseitigen kann.
Die Behandlung muss sich an der jeweiligen Erkrankung orientieren.
11. Wann sollte man einen Allergologen aufsuchen?
Eine allergologische Untersuchung ist besonders sinnvoll, wenn:
- mehrere Allergien gleichzeitig vermutet werden
- Beschwerden trotz Behandlung bestehen
- neue Symptome auftreten
- Lebensmittelreaktionen unklar sind
- Atembeschwerden oder allergisches Asthma bestehen
- die bisherigen Allergietests nicht zu den Beschwerden passen
- eine Immuntherapie erwogen wird
Bei Atemnot, Kreislaufproblemen, Bewusstseinsstörungen oder einer rasch zunehmenden Schwellung von Zunge oder Rachen besteht der Verdacht auf eine schwere allergische Reaktion.
In diesem Fall ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.
Fazit: Nicht jedes positive Testergebnis ist eine neue Allergie
Menschen mit zahlreichen Allergien stehen häufig vor einer schwierigen Situation.
Die Beschwerden können unterschiedliche Lebensbereiche betreffen und die Suche nach geeigneten Behandlungsmöglichkeiten erschweren.
Doch die moderne Allergologie kann heute deutlich genauer untersuchen, welche Mechanismen hinter den Reaktionen stehen.
Sie unterscheidet zwischen Sensibilisierung und tatsächlicher Allergie, berücksichtigt Kreuzreaktionen und kann bei geeigneten Patienten gezielte Therapien einsetzen.
Die wichtigste Erkenntnis lautet:
Wer auf viele Stoffe reagiert, braucht nicht unbedingt mehr Allergietests oder mehr Medikamente. Oft ist der entscheidende Schritt eine präzise Diagnose, die echte Allergien von anderen Reaktionen unterscheidet.
Denn erst wenn klar ist, was das Immunsystem tatsächlich auslöst, kann eine Behandlung sinnvoll ausgewählt werden.
Und genau darin liegt die Stärke der modernen Allergologie: nicht möglichst viele Allergien zu zählen, sondern die richtigen Zusammenhänge zu erkennen.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Allergien können unterschiedliche Ursachen und Schweregrade haben. Diagnostik und Therapie sollten individuell durch qualifizierte medizinische Fachkräfte erfolgen.
-
HNO-Ärzte im Netz – Wie entsteht eine Allergie? https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/allergischer-schnupfen/wie-entsteht-eine-allergie.html
-
Allergy, Asthma & Clinical Immunology – Management of the polyallergic patient with allergy immunotherapy https://link.springer.com/article/10.1186/s13223-015-0109-6
-
PubMed – Clinical Practice Guideline: Immunotherapy for Inhalant Allergy (2024) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38408152/
-
EAACI – Guidelines on the Management of IgE-Mediated Food Allergy https://eaaci.org/guidelines-position-papers/eaaci-guidelines-on-the-management-of-ige-mediated-food-allergy/
-
EAACI – Biologicals Guidelines: Recommendations for Severe Asthma https://eaaci.org/guidelines-position-papers/eaaci-biologicals-guidelines-recommendations-for-severe-asthma/
-
AWMF – Allergen-Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen https://www.awmf.org/aktuelles/awmf-aktuell/allergen-immuntherapie-bei-ige-vermittelten-allergischen-erkrankungen-1
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